ICH_NO_GRAMM 2015 Interactive room installation and trace-paintings

[EN]

For her site-specific exhibition Ich_No_Gramm, Jeewi Lee transformed the project space of ZÖNOTÉKA into a tile-patterned coordinate system. Disguised as the interior of a butcher’s shop, bathroom or laboratory environment – a place for messy and experimental activities – from afar, the space resembles an augmented millimeter paper sheet. Traces, blots, movements and imprints are captured by the ephemeral artwork as evidence kept for forensic investigations. The tiles, as empty canvases, preserve the unnoticed.
Lee’s installation is based on this ‘evidential force' and a ‘certification of presence’, which was pointed out by Roland Barthes when characterizing photography. The sterile, white environment is created only to picture the essence of evidence and presence, elevated into artistic realms and immediately visualized as part of a system. Analyzing the incidents captured by her installation, Lee will continuously intervene, break the static environment and present selected tile ensembles as ‘ichnograms’ on the gallery wall for aesthetic, forensic or medical observation.
No contact occurs between two objects without leaving traces on one another. The Locard’s exchange principle serves as the core of the entire exhibition: The collected footprints will be the simple result of how guests, be it visitors or invited artists performing in the project space, interact with Lee’s platform and use it as a stage for their individual actions.
Jeewi Lee selected various artistic positions that are conceptually aligned with her installation and contribute to the interactive process. Mari Matsutoya’s performance super/vision shares the subtle, in situ nature of the work and reacts to everyday actions by visitors. Alessandro Rauschmann has adapted the approach of his surprise-centered performance with bodily involvement to the setting provided by Ich_No_Gramm. To increase the possibility of creating messy and vibrant coordinates on the tile floor, Justin Miles invented colorful aperitifs and appetizers for the occasion. During the exhibition’s Finissage, Eva Vuillemin will present a video performance, summing up the one month long journey of an ever-changing map of imprints and interactions.



[DE]

Für ihre ortspezifisch konzipierte Ausstellung Ich_No_Gramm transformierte Jeewi Lee den Projektraum ZÖNOTÉKA in ein Koordinatensystem mit Fliesenmuster. Als Innenraum einer Fleischerei, Badezimmer oder Labor getarnt – einem Ort für teils unsaubere, teils experimentelle Tätigkeiten – erscheint der Raum vom Weiten wie ein Blatt Millimeterpapier. Die Fliesen fungieren als Zwischenräume oder leere Leinwände und konservieren Spuren, Kleckse, Bewegungen und Abdrücke. Das Unscheinbare wird in einer ephemeren Installation erfasst wie Beweise für eine forensische Untersuchung.
Lees Installation erforscht die „Beweiskraft“ und die „Beglaubigung der Präsenz“, wie Roland Barthes über die Charakteristika der Photographie bemerkte. Die sterile, weiße Umgebung wurde eigens geschaffen, um die Essenz von Beweis und Präsenz darzustellen, diese in den Kunstkontext zu transferieren und zugleich als Teil eines Systems zu verbildlichen. Während sie die Ereignisse in ihrer Installation festhält und analysiert, greift Jeewi konsequent in die von ihr geschaffene statische Umgebung ein. Sie bricht die Ordnung und präsentiert ausgewählte Fliesenensembles in Form von Ichnogrammen an der Galeriewand, zur ästhetischen, forensischen und medizinischen Beobachtung.
Die Locard’sche Regel, dass kein Kontakt zwischen zwei Objekten vollzogen werden kann, ohne dass sie wechselseitig Spuren hinterlassen, bildet den Kern der gesamten Ausstellung: Die eingesammelten Fußabdrücke entstehen durch die direkte Interaktion mit Gästen, seien es Ausstellungsbesucher oder eingeladene Künstler, die mit Lees Plattform interagieren und sie als Bühne für individuelle Aktionen verwenden.
Jeewi Lee wählte verschiedene künstlerische Positionen aus, die eine konzeptuelle Verbindung darstellen und zu dem interaktiven Prozess beitragen. Die Performance auf/sicht von Mari Matsutoya teilt die subtile, in situ Natur der Installation und reagiert ebenfalls auf die alltäglichen Aktionen der Besucher. Alessandro Rauschmann adaptierte seine auf Überraschung ausgerichtete Performance für die Voraussetzungen von Ich_No_Gramm. Um die Chancen für schmutzige und lebhafte Koordinaten auf dem Fliesenboden zu erhöhen hat Justin Miles farbige Aperitifs und Appetithappen vorbereitet. Während der Finissage der Ausstellung präsentiert Eva Vuillemin eine Video-Performance und schließt damit die einen Monat andauernde Geschichte einer sich stets verändernden Landkarte von Abdrücken und Interaktionen ab.
Darüberhinaus wird Enikő Márton ein Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und alle Anderen anbieten, wobei der taktile Prozess der Spurenhinterlassung auf kreativer Weise erforscht werden kann.

Text: Krisztina Hunya

Special Thanks to: Linnenbecker GmbH