REINIGUNGSBILDER 2015 Cleaned/bleached korean traditional paper floor with traces and stains Series

REINIGUNGSBILD NR.11, 123,5 x 155,5 cm

REINIGUNGSBILD NR.5 2015, 75 × 60 cm

REINIGUNGSBILD NR.8, 90 x 85 cm

REINIGUNGSBILD NR.10, REINIGUNGSBILD NR.13
Installation view

REINIGUNGSBILD NR.10, 80 x 93 cm

REINIGUNGSBILD NR.13, 109,5 x 137 cm

REINIGUNGSBILD NR.7, 80 x 65 cm

[EN]

We leave traces, day in day out, everywhere we go, invisible or conspicuous, coincidentally subconscious or with full intent: as we walk we leave footprints on the ground behind us, when we cross borders we leave fingerprints behind confirming our identity; we do so every time we depart from one place in search of another. Or as French poet Jean Tardieu aptly put it: “I say there is endless motion in this world, and everything that moves leaves visible traces; a pattern, a reflex, a colour.” The material itself leaves a mark; whether as sediment or eroded through abrasion it simultaneously hints at its previous form, providing proof of a bygone existence, a past collision of two objects.
Jeewi Lee originally studied painting and her work today is characterised by a fascination with the ground, the terrain we traverse. ‘Ground’ less in the sense of soil and geologically relevant rocks, but rather as a representation of individual cultures and their habits either in the public realm or in a private refuge.
Lee’s focus elevates the overlooked and partially unintended residue imparted from everyday life—indicated in her new work series (Reinigungsbild, 2015) in an inverted manner. Employing floor cleaner consisting of natriumhypochlorid, she attempts to remove stains from used traditional Korean paper flooring Hanji-jangpan and thus, its history, without succeeding to erase all evidence of activity.

Although these images may be reminiscent of abstract works by certain painters, they are in fact the genuine result of unpredictable external processes that Jeewi Lee does not entirely foresee; Lee merely either selects them or initiates the course of events that lead to the image. Hence Lee’s work doesn’t claim to reflect a reality beyond the canvas, but rather it shows the development of its creation and past.



[DE]

Wir hinterlassen Spuren, tagtäglich, überall, unsichtbar oder überdeutlich, zufällig-unbewusst oder mit Absicht: beim Gehen der Fußabdruck auf dem Boden, bei der Überschreitung territorialer Grenzen ein Fingerabdruck zur Identitätssicherung, immer dann, wenn wir einen Ort verlassen, um einen neuen aufzusuchen.
„Ich sage, dass es in dieser Welt eine unendliche Bewegung gibt, und dass alles, was sich bewegt, eine sichtbare Spur hinterlässt, eine Arabeske, einen Reflex, eine Farbe,“ – so der französische Dichter Jean Tardieu treffend.
Auch Material hinterlässt Spuren, ob als Ablagerung oder als Abrieb, in dem es abgetragen wird – zugleich lässt es eine ehemals vorhandene Anwesenheit erahnen, ist Zeugnis einer nicht mehr unmittelbaren Präsenz, einer vergangenen Berührung zweier Gegenstände.
Charakteristisch für Jeewi Lee, die ursprünglich Malerei studiert hat, ist ihr Interesse am Boden, dem Grund, auf dem wir im Diesseits wandeln: Boden weniger im Sinne von Erdreich und geologisch relevantem Gestein, denn primär als Repräsentant individueller (Wohn- und Lebens-)Kulturen, sei es im öffentlichen Stadtraum oder im privaten Refugium. Ihre Spurenaufwertung macht das Übersehene, das teils Nicht-Gewollte, die Residuen des Alltags sichtbar, so auch in ihren neuen Arbeiten (Reinigungsbild; 2015) – jedoch auf umgekehrte Weise. Mit Hilfe von natriumhypochlorid-haltigem Fußbodenreinigungsmittel versucht sie, Abdrücke auf dem traditionell koreanischen Papierboden Hanji-jangpan zu beseitigen und damit auch deren Geschichte, ohne dass sie sämtliche Relikte zu entfernen vermag.
Auch wenn die Bilder zuerst vielleicht an abstrakte Malerei eines künstlerischen Individuums erinnern, sind sie genuin Ergebnisse eines externen Prozesses, den Jeewi Lee nicht umfassend voraussehen, für ihre Arbeiten nur auswählen bzw. deren Verlauf sie initiieren kann. So bilden ihre Werke keine außerbildliche Wirklichkeit ab, sondern zeigen die Entwicklung ihrer eigenen Entstehung und Vergangenheit.

Text: Ursula Ströbele